[:de]Liebe in Zeiten des Internets[:en]Love in the internet age[:]


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In diesen Tagen wird man ja im deutschen Fernsehen mit immer mehr Werbung für Online-Partnerbörsen überschüttet, von „neu.de“ über „parship.de“ bis hin zu „elitepartner.de“. Und obwohl ich selbst niemals über so einen Service auf Partnersuche gehen würde, sind auch drei Viertel meiner eigenen Beziehungen – zumindest teilweise – übers Internet entstanden. Aber nach welchen Kriterien wählt man einen möglichen Partner aus, wenn man von ihm nur einen Namen und vielleicht ein paar Details und ein Foto sieht? Kann man da überhaupt eine qualifizierte Entscheidung darüber treffen, ob derjenige zu einem paßt oder nicht?

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In these days you get more and more overwhelmed with commercials for online dating on German television, from „neu.de“ to „parship.de“ to „elitepartner.de“. And although I would never try and find a partner through such a service, three quarters of my own relationships developed – at least partially – via the Internet. But by what criteria do you choose a potential partner when all you get to see of him is only a name and maybe a few details and a photo? Can you make an informed decision at all as to whether a person is suitable for you or not?

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Eine kleine Anekdote: Vor über zehn Jahren bin ich mal mit einer Klassenkameradin in den „Internet-Raum“ unserer Schule gegangen, wo wir uns unter unseren ganz normalen Vor- bzw. Spitznamen auf einer großen deutschen Chatseite einloggten. Nachdem wir eine Viertelstunde lang erfolglos versucht hatten, Kontakt zu knüpfen und Anschluß ans Gespräch zu finden, sagte ich zu meiner Freundin: „Okay, das hat so anscheinend keinen Sinn. Wir loggen uns jetzt nochmal neu ein, aber diesmal nenne ich mich ‚Haschgirl‘ und du ‚Wodkagirl‘.“
Gesagt, getan – und plötzlich wurden wir von einer Welle von Begrüßungen, Alters- und Séparée-Anfragen überschwemmt. Durch die simple Umbenennung in etwas lasterhaft klingende und auf weibliches Geschlecht hindeutende Namen waren wir von zwei langweiligen Mädels zu hochinteressanten und heißbegehrten Online-Ludern geworden – obwohl da in Wirklichkeit noch immer dieselben zwei sechzehnjährigen Teenies saßen wie zuvor.

Wenn man jemanden auf „herkömmliche“ Art und Weise kennenlernt, dann entscheidet das Unterbewußtsein ja in Sekundenbruchteilen darüber, ob der andere körperlich, sozial und intellektuell kompatibel ist. Aber online kann man zwei dieser drei Kriterien ja schon gar nicht mehr so recht beurteilen: Das Gegenüber zeigt uns möglicherweise nur Fotos von seiner „Schokoladenseite“ oder bearbeitet sie sogar mit Photoshop, und über seinen sozialen Stand kann man auch lügen oder sich in Schweigen hüllen.
Einzig über sein intellektuelles Niveau kann man wohl beim Chatten nicht so leicht hinwegtäuschen: Ein Mann, der in drei Sätzen zehn Rechtschreib- und Grammatikfehler unterzubringen versteht, kann noch so toll aussehen – für mich ist dann trotzdem klar, daß ich es mit dieser Person niemals über einen längeren Zeitraum hinweg aushalten könnte. Andere Leute dagegen würden hier vielleicht ganz andere Prioritäten setzen. Ihnen ist es vielleicht wichtiger, daß der potentielle Partner hübsch und finanziell unabhängig ist, während sie an seiner Intelligenz eher weniger interessiert sind.

Das „Oxford Internet Institute“ der Universität von Oxford hat eine Studie über Online-Dating betrieben, die sich genau diesen Fragen widmet: Welche Rolle spielt das Internet beim Kennenlernen, und welche Kriterien sind uns eigentlich wichtig, wenn wir einen (möglichen) Partner online auswählen? Und wie sieht es aus, wenn man erst einmal zusammen ist: Betrachtet man das Chatten mit fremden Personen dann vielleicht schon als eine Art „Fremdgehen“? Und kommuniziert man als Paar weiterhin auch online miteinander, z. B. um Streit zu schlichten?
Besonders gefällt mir die Slideshow im PDF-Format, die weiter unten auf der Seite verlinkt ist und die sehr interessante Statistiken enthält.

Wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr auch schon mal online einen Partner gefunden? Erzählt mir von Euren Erfahrungen!

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A little anecdote: More than a decade ago, I went into the „Internet room“ of our school with a classmate, where we logged into a major German chat site using our normal pre-/nicknames. After fifteen minutes of unsuccessful attempts to make contact and get into the conversation, I said to my friend: „Okay, this apparently doesn’t work. Let’s log in again, but this time I call myself ‚Hashgirl‘, and you go by ‚Vodkagirl‘.“
No sooner said than done – and suddenly we were swamped by a wave of greetings, age and private room requests. By simply changing our names to something that sounded a little vicious and suggested femaleness, we had grown from two boring girls to exciting and much sought-after online hussies – although in reality there were still the same two sixteen year old teenagers sitting there as before.

When you meet somebody in a „conventional“ manner, the subconscious decides in a split second whether the other person is physically, socially and intellectually compatible. Online, however, you can’t really evaluate two of these three criteria: Your opposite might only show photographs of his „best side“ or even edit them with Photoshop, and you can also lie or wrap yourself in silence about your social status.
Only the intellectual level can’t be hidden so easily when chatting. A man who manages to place ten spelling and grammatical errors in three sentences may look as good as can be – to me it’s clear that I would never be able to be with this person over a longer period of time. Other people, however, would probably have very different priorities. To them it is perhaps more important that the prospective partner is handsome and financially independent, while they are rather less interested in his/her intelligence.

The „Oxford Internet Institute“ of the University of Oxford has published a study about online dating, which is devoted to precisely these questions: What role does the Internet play in becoming acquainted, and what criteria are really important to us when we choose a (potential) partner online? And what is it like once you are together: Is chatting with strangers looked upon as a kind of „cheating“ then? And do couples still communicate with each other online, for example to settle a quarrel?
I particularly like the slideshow in PDF format which is linked further down the page and contains some very interesting statistics.

What about you? Have you ever found a partner online? Tell me about your experiences!

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3 Antworten zu “[:de]Liebe in Zeiten des Internets[:en]Love in the internet age[:]”

  1. :-) Von allen Freunden und Bekannten habe ich nur eine Person über das Internet kennen gelernt – mit Ihr bin ich heute verheiratet. :-)
    Allerdings muss ich dabei sagen, daß ich eigentlich keine Lebenspartnerin suchte sondern „nur“ eine Tanzpartnerin.
    Von der Partnersuche über das Internet halte ich nicht besonders viel. Ich habe es zwar selbst nie versucht, habe aber einiges in Gesprächen darüber mitbekommen und in genug Chat -, Freundschafts – , blabla – Foren angemeldet. In den Gesprächen fand ich folgendes heraus: Frauen sind der Meinung, daß man bei den Partnersuchforen den männlichen Profiilen mindestens 10% Wahrheitsgehalt abziehen muss.
    Gut zu wissen. Männer müssen also mindestens 10 % oben drauf lügen, sonst fallen sie schneller aus dem Suchraster.
    Anders herum scheint die Toleranz höher zu sein. Bestes Beispiel (selbst gesehen): Ein frisch erstelltes Profil einer jungen Dame enthielt gerade mal Name, Stadt und Geburtsdatum (Pflichtfelder). KEIN Foto, KEINE weiteren Angaben. Es dauerte keinen Tag, da war schon das erste Angebot im Briefkasten. Zwar keine ernsten Absichten, nur F***angebot, aber das war ernst gemeint, denn er war hartnäckig.
    Im Grunde weiß man weder im wahren Leben noch im Internet, was man wirklich kriegt. Im Internet ist die Hemmschwelle niedriger, im wahren Leben kann man vielleicht ein wenig besser sein Gegenüber einschätzen.
    Ich finde es gut, daß es das gibt.
    Mich würde ja interessieren: Ist das Chancenverhältnis gleich? Also hat jemand, der im wahren Leben ein Aufreisser ist auch übers Internet bessere Karten? Oder findet hier ein Ausgleich statt?

  2. Stimmt, das hatte ich ja glatt vergessen, daß Ihr Euch ja auch übers Internet kennengelernt habt!

    Das mit dem Chancenverhältnis ist ’ne interessante Frage. Ich glaube, die, die im richtigen Leben nicht so die Aufreißer sind (weil zu schüchtern, zu wenig schlagfertig usw.), können im Internet diese Schwächen zu fast 100% vernachlässigen. Schüchtern brauchen sie nicht zu sein, weil alles erstmal schön anonym ist, und für die richtigen Sprüche, Gesprächsthemen usw. haben sie beim Schreiben viel mehr Zeit zum Überlegen. Bestimmt gibt es noch mehr Vorteile, aber die zwei kommen mir am wichtigsten vor.
    „Richtige“ Aufreißer dagegen haben glaube ich oft sowas wie einen inneren Stolz, der ihnen verbietet, online nach Partnern zu suchen. So ähnlich wie Leute, die es nicht nötig haben, für Sex zu bezahlen, weißt Du. ;) Die suchen sich, glaube ich, ihre Partner weiterhin lieber am Wochenende in der Disco anstatt online. Vorausgesetzt, meine Mutmaßungen stimmen, dann würde also tatsächlich ein Chancenausgleich stattfinden: Die Konkurrenz an „professionellen“ Aufreißern würde sich im Internet in Grenzen halten, sodaß die anderen mal so richtig zuschlagen können. ;)

    So richtiges, gezieltes Online-Dating finde ich aber auch sehr … ich weiß gar nicht, wie ich es nennen soll. „Entzaubert“?
    Ich hab‘ mal eine Reportage darüber gesehen, wo 2-3 Leute bei der Partnersuche über neu.de begleitet wurden. Eine Frau war total wählerisch und hat immer direkt total kraß aussortiert: „Der ist mir finanziell nicht unabhängig genug.“ – „Der scheint mir sozial nicht ganz angemessen.“ – „Der ist nicht spontan und kontaktfreudig genug.“ usw.
    Ein Mann dagegen hat sich erstmal für zusätzliches Geld einen „Singlebörsen-Coach“ nach Hause geholt, der mit ihm zusammen dann ein ganz professionelles neu.de-Profil aufgesetzt hat, inklusive Profi-Fotos (die natürlich wiederum einen Friseurbesuch und ein wenig Klamotten-Styling erforderten). Der Profiltext wurde dann von dem Coach natürlich besonders schön formuliert – Schwächen klangen da auf einmal auch wie Stärken. So ähnlich wie dieser Sprachcode bei Arbeitszeugnissen halt…
    Naja, und wenn die sich dann letztendlich wirklich mal mit jemandem getroffen haben, wirkte das Ganze extrem unromantisch. Wie ein schematisches Durchscannen nach Komatibilität. „Funken“ oder Spannung gab es da meist nicht.

    Ich habe mir dabei halt die ganze Zeit überlegt, daß besonders bei dieser Frau die Wahrscheinlichkeit doch ziemlich hoch war, daß sie ihren „Mr. Right“ aufgrund ihrer bescheuerten Kriterien von Anfang an aussortiert hat. Einfach nur, weil er vielleicht nicht genug Geld oder sonstwas hatte.

  3. Ich hab‘ bisher fast jede Frau über’s Internet kennen gelernt, da ich einfach viel zu viel Zeit vor’m Rechner verbracht habe … allerdings war’s wirklich zufällig, da ich mich noch nie bei einer Singlebörse angemeldet habe. Mal war es in nem Chat, den ich mir aus Jux angeguckt habe, mal über die Tanzpartnerinnen-Suche (das ist in der Tat ne gute Möglichkeit, he he) oder wie auch immer. Geplant war es nie und ich war immer schon ein Freund davon sich zu treffen statt Stunden im Netz zu hängen oder am Telefon.

    Singlebörsen halte ich generell für den größten Humbug den es gibt, denn wer ernsthaft aktiv im Netz nach einem Partner / einer Partnerin sucht der hat irgendetwas nicht mitbekommen. Da muss man dann vermutlich schon komplett zurückgezogen sein und die Menge an „kaputten“ Frauen die mir im Netz schon begegnet sind spricht irgendwie dafür :) Wenn man seinem Schicksal unbedingt nachhelfen will sollte man sich in’s Auto oder in die Bahn setzen und sich mit Leuten treffen, sei es von Communities, zu Barcamps oder sonstwie.

    Ein verzauberndes Lächeln, ein paar süße Grübchen und alles was die menschliche Begegnung sonst noch so ausmacht ist im Netz unsichtbar … deshalb ist jedes „hdl“ oder „ild“ im Netz meiner Meinung nach wertlos – mehr so dahingesagt weil’s so einfach ist.

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