{"id":1803,"date":"2009-07-09T02:10:32","date_gmt":"2009-07-09T00:10:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.ginchen.de\/?p=1803"},"modified":"2009-07-20T16:15:34","modified_gmt":"2009-07-20T14:15:34","slug":"ein-kleiner-schritt-fuer-die-literatur-ein-grosser-schritt-fuers-ego","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.ginchen.de\/en\/2009\/07\/09\/ein-kleiner-schritt-fuer-die-literatur-ein-grosser-schritt-fuers-ego\/","title":{"rendered":"One small step for literature &#8211; one giant step for the ego!"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1806\" aria-describedby=\"caption-attachment-1806\" style=\"width: 141px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/blog.ginchen.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/urkunde.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blog.ginchen.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/urkunde-141x200.jpg\" alt=\"My certificate\" title=\"My certificate\" width=\"141\" height=\"200\" class=\"size-thumbnail wp-image-1806\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1806\" class=\"wp-caption-text\">My certificate<\/figcaption><\/figure>\r\n\r\n<p>Tonight I attended the prize giving ceremony of the seventh <a  rel=\"external\" href=\"http:\/\/kkw.uni-koeln.de\/\">Cologne short story competition<\/a> that is annually hosted by the German department of the Cologne University and that I had participated in just for fun. After reflecting for weeks over what my story should be roughly about, I typed it down in two days at the last moment to submit it on schedule until 14th&nbsp;June.<\/p>\r\n\r\n<p>I didn&#8217;t promise myself too much &#8211; nothing at all, actually. All the more I was surprised when suddenly I heard my name: Out of over fourty entries, I had at least snatched a place in the top&nbsp;ten. Only the five best stories were celebrated and read out, however another five, including mine, were awarded a short certificate and a book. (There wasn&#8217;t a fixed ranking anymore &#8211; so you could also call it a shared sixth place. Sounds even better. ;)\r\n)<\/p>\r\n\r\n\r\n<!--more-->\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p>And for those who are interested (and speak German), here&#8217;s my story. The subject of the contest was &#8220;construction site&#8221;, by the way.<\/p>\r\n\r\n\r\n<blockquote>\r\n<h3>Der Umbau<\/h3>\r\n\r\n<p>\u00bbMoin, Udo! Da bist du ja endlich!\u00ab Axel Br&#228;mer, der gerade seine Werkzeuge sortierte, stand auf und ging auf Udo zu, um ihm die Hand zu sch&#252;tteln. \u00bbHaben schon gedacht, du k&#228;mst gar nicht mehr. Noch zwei Minuten und wir w&#228;r\u2019n nach Hause gegangen. So haben wir das damals in der Schule auch immer gemacht: Wenn der Lehrer nach f&#252;nfzehn Minuten nicht kam, sind wir gegangen.\u00ab<br \/>\r\n\u00bbJa, und genau deswegen bist du jetzt auch hier\u00ab, lachte Udo Heidmann, w&#228;hrend er das restliche Team mit einem kurzen Wink begr&#252;&#223;te. \u00bbW&#228;rst du mal lieber ein bisschen &#246;fter beim Unterricht erschienen, dann h&#228;ttest du es vielleicht zu was gebracht.\u00ab<br \/>\r\n\u00bbOh ja\u00ab, sagte Axel mit vertr&#228;umtem Blick. \u00bbWei&#223;t du, meine Mutti wollte immer, dass ich Zahnarzt werde und meine eigene Praxis er&#246;ffne.\u00ab<br \/>\r\nJetzt lachten beide. Udo mochte Axel. Sie arbeiteten schon lange zusammen. Axel war zwar mehr als zehn Jahre &#228;lter als er selbst, aber sie waren ein eingespieltes Team, und &#252;ber die Jahre waren sie fast so etwas wie Freunde geworden.<br \/>\r\n\u00bbSo, Leute\u00ab, sagte Axel, indem er die Kollegen heranwinkte. \u00bbUdo leitet die erste Phase. Lauschen wir seinen Anweisungen!\u00ab<br \/>\r\nUdo zog ein Klemmbrett unter seinem Arm hervor und warf einen Blick darauf. Nachdem er die Skizzen und Fotos sowie einige handgeschriebene Notizen &#252;berflogen hatte, erl&#228;uterte er den groben Ablauf und verteilte verschiedene Aufgaben. Die anderen begannen mit den Vorbereitungen, legten die n&#246;tigen Werkzeuge bereit und mischten den Zement an. Udo zog sich kurz zur&#252;ck, um seine Arbeitskleidung anzulegen und ein paar Handschuhe &#252;berzustreifen.<br \/>\r\n\u00bbSo, M&#228;nner, dann wollen wir mal!\u00ab rief er aufmunternd in die Runde, als er zur&#252;ckkehrte. Nachdem alle ihren Kopf- sowie Mundschutz angelegt hatten, begannen sie mit der Arbeit. Es wurde gebohrt und geschraubt, geschmirgelt und geschleift, geklebt und zementiert. Sie kamen gut und schnell voran.<br \/>\r\nZwischendurch fragte Udo: \u00bbSag mal, wei&#223;t du eigentlich Genaueres &#252;ber unsere Klientin?\u00ab<br \/>\r\n\u00bbWieso, gef&#228;llt sie dir etwa?\u00ab frotzelte Axel.<br \/>\r\n\u00bbAch was, nur so aus Interesse.\u00ab<br \/>\r\n\u00bbNaja, also die Dame hei&#223;t &#8230;\u00ab Axel &#252;berlegte kurz, aber er konnte sich beim besten Willen nicht mehr an den Namen erinnern. Dabei war er doch gerade erst gestern eine ganze Stunde lang mit ihr zusammen noch einmal alles durchgegangen. Er linste auf sein Klemmbrett. \u00bbBettina Gleisner\u00ab, fuhr er fort. \u00bbSchien mir ganz nett zu sein. Arbeitet als Hausverwalterin. Hat drei oder vier gro&#223;e H&#228;user hier in der Stadt.\u00ab<br \/>\r\nUdo pfiff anerkennend. \u00bbNicht schlecht. Wie bist du denn an die rangekommen?\u00ab<br \/>\r\nAxel lachte. \u00bbDie kam ganz von allein. Wei&#223;t du noch, diese Kundin, die wir vor ein paar Monaten hatten? Diese Maklerin, die so begeistert war von den Verblendungen, die du bei ihr angebracht hast. Wie hie&#223; die noch &#8230;\u00ab<br \/>\r\n\u00bbHermanns, glaube ich.\u00ab<br \/>\r\n\u00bbJa, genau. Also, die ist mit Frau Gleisner befreundet und hat uns weiterempfohlen. \u2013 Da m&#252;ssen wir &#252;brigens dran denken, dass wir Frau Hermanns daf&#252;r bei ihrem n&#228;chsten Auftrag m&#246;glicherweise einen kleinen Bonus gew&#228;hren.\u00ab<br \/>\r\n\u00bbBei ihrem n&#228;chsten Aufrag?\u00ab fragte Udo &#252;berrascht. \u00bbHat sie denn noch mehr Arbeit f&#252;r uns?\u00ab<br \/>\r\n\u00bbOh ja!\u00ab nickte Axel. \u00bbDie Frau hat noch gro&#223;e Pl&#228;ne, sage ich dir!\u00ab<br \/>\r\nDie beiden wandten sich wieder ihrer Arbeit zu. Nur noch wenige Handgriffe trennten Udo von seiner Mittagspause. Danach w&#252;rden die &#220;brigen hier allein weiterarbeiten, w&#228;hrend er sich einem anderen Klienten zu widmen hatte. Er lie&#223; noch einen letzten pr&#252;fenden Blick &#252;ber seine Arbeit schweifen und fand alles zu seiner Zufriedenheit vor. Alle Schrauben sa&#223;en fest, alle Oberfl&#228;chen waren glatt und nahtlos; der Zement musste zwar noch ein paar Stunden aush&#228;rten, sah aber bereits jetzt tadellos aus. Udo zog seine Handschuhe aus und wandte sich an Axel: \u00bbSo, mein Werk hier ist vollbracht, der Rest liegt bei dir. Ich hab\u2019 jetzt noch einen Kunden.\u00ab<br \/>\r\n\u00bbAlles klar, Udo. Mach\u2019s gut. Bis sp&#228;testens morgen dann.\u00ab<br \/>\r\nUdo verabschiedete sich mit einem Wink seiner Hand, drehte sich um und ging. Nach einer kurzen Pause wurde die Arbeit unter Axels Leitung fortgesetzt. Er teilte das Team neu ein und erkl&#228;rte in knappen S&#228;tzen die geplante Vorgehensweise. Eigentlich w&#228;re das nicht einmal n&#246;tig gewesen \u2013 das alles war reine Routine. Bald war der Raum wieder vom Klang der unterschiedlichsten Werkzeuge und T&#228;tigkeiten erf&#252;llt. Es wurde geschnitten und ges&#228;gt, gefeilt und geraspelt, gemei&#223;elt und gehobelt. Die Zeit verging wie im Flug.<br \/>\r\nAls alles fertig und Axel mit dem Ergebnis zufrieden war, bedankte er sich bei seinen Kollegen f&#252;r die gute Arbeit und entlie&#223; sie in den Feierabend. Er entledigte sich seiner Arbeitskleidung und griff dann zu seinem Klemmbrett, um die Ergebnisse des heutigen Tages zu notieren. Anschlie&#223;end machte er sich auf den Heimweg.<br \/>\r\nAm n&#228;chsten Morgen gegen neun Uhr klopfte er an Udos B&#252;rot&#252;r und trat sofort ein, ohne eine Antwort abzuwarten.<br \/>\r\n\u00bbMorgen, Axel\u00ab, begr&#252;&#223;te ihn Udo und nahm einen gro&#223;en Schluck aus seiner Kaffeetasse. \u00bbIch muss noch eben eine E-Mail zu Ende schreiben, dann k&#246;nnen wir sofort los.\u00ab<br \/>\r\n\u00bbAch, ruhig Blut\u00ab, sagte Axel. \u00bbNur keinen Stress am fr&#252;hen Morgen.\u00ab<br \/>\r\nWenige Minuten sp&#228;ter liefen sie nebeneinander den Korridor hinab, an zahlreichen T&#252;ren vorbei. Sie bestiegen einen Aufzug, fuhren in den ersten Stock und wanderten dann abermals an etlichen T&#252;ren vorbei. Vor Zimmer\u00a0171 machten sie schlie&#223;lich Halt. Sie klopften an und traten ein. Drinnen erwartete sie eine zierliche, ersch&#246;pft wirkende Person. Sie trug einen Verband um die Nase, und in ihren Nasenl&#246;chern steckten Tamponaden. Sie musste bis gerade geschlafen haben, denn sie hatte noch M&#252;he, ihre Augen richtig zu &#246;ffnen.<br \/>\r\n\u00bbGuten Morgen, Frau Gleisner!\u00ab rief Axel ihr zu. \u00bbWir sind gekommen, um mal nach Ihnen zu sehen. Mich kennen Sie ja bereits \u2013 darf ich Ihnen vorstellen, das ist Doktor Udo Heidmann, der sich gestern an Ihren Z&#228;hnen vergriffen hat. Mindestens die H&#228;lfte der Schmerzen, die Sie jetzt haben, gehen auf sein Konto!\u00ab Axel lachte, und auch Frau Gleisner versuchte ein L&#228;cheln, das aber sogleich einer schmerzverzerrten Grimasse wich.<br \/>\r\n\u00bbSie sollten in den ersten paar Tagen lieber nicht lachen oder zuviel sprechen\u00ab, schlug Udo vor. \u00bbAuch das Essen wird Ihnen wahrscheinlich schwer fallen, trotz des provisorischen Zahnersatzes, den ich Ihnen eingesetzt habe. Aber wie hei&#223;t es doch? \u203aWer sch&#246;n sein will, muss leiden!\u2039\u00ab<br \/>\r\nFrau Gleisner nickte. \u00bbIch halt\u2019 das schon aus.\u00ab<br \/>\r\nAxel und Udo &#252;berzeugten sich kurz, dass mit Frau Gleisners Nase und Z&#228;hnen alles in Ordnung war.<br \/>\r\n\u00bbSieht alles soweit gut aus, Frau Gleisner\u00ab, sagte Axel.<br \/>\r\n\u00bbKann ich mich denn jetzt auch mal sehen?\u00ab fragte sie.<br \/>\r\n\u00bbAch, das haben Sie noch gar nicht? Na, dann kommen Sie, hier am Waschbecken h&#228;ngt ja ein Spiegel.\u00ab<br \/>\r\nFrau Gleisner stand vorsichtig auf und tapste langsam in Richtung Waschbecken. Als sie sich im Spiegel erblickte, erschrak sie. Ihr halbes Gesicht \u2013 die Wangen, die Augen \u2013 waren blutunterlaufen und dunkelrot geschwollen. Sie sah wirklich furchtbar aus. Sie sah aus als h&#228;tte jemand sie erbarmungslos verpr&#252;gelt.<br \/>\r\nAxel, der ihr den Schock ansah, beruhigte sie: \u00bbKeine Sorge, Frau Gleisner. Das ist ganz normal so. Das verschwindet im Laufe von ein bis zwei Wochen. Bei Ihnen verl&#228;uft bisher alles wie gew&#252;nscht.\u00ab<br \/>\r\nDie beiden Doktoren verabschiedeten sich und verlie&#223;en das Zimmer.<br \/>\r\nBettina Gleisner musterte sich noch einen Augenblick lang im Spiegel.<br \/>\r\n\u00bbJetzt bin ich keine Gesichtsbaustelle mehr\u00ab, dachte sie, \u00bbsondern eine Gesichts\u2011Gro&#223;baustelle.\u00ab<\/p>\r\n<\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tonight I attended the prize giving ceremony of the seventh Cologne short story competition that is annually hosted by the German department of the Cologne University and that I had participated in just for fun. 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