Dummheit, Mysterien des Alltags

Das grüne Gift der Teufelsfrucht

Als ich heute mit dem Ziel, eine Caprese zuzubereiten, eine Tomate in Scheiben schnitt und dabei den grünen Strunk in der Mitte entfernte, erinnerte ich mich amüsiert an die Episode von „Gräfin gesucht“ [1] die ich mir neulich zu Gemüte führte. Der verzweifelte Singlegraf, der zum Essen ebenfalls eine Caprese plante, halbierte zu diesem Zwecke reichlich winzige Kirschtomaten, woraufhin die sich in der Küche etwas unbeholfen anstellende Gräfinnenanwärterin Mirja ihn mit einer Weisheit aus dem reichhaltigen Schatz ihrer Erfahrung belehrte: „Das Grüne muß man rausschneiden. Das ist total schädlich. Ich weiß zwar sonst nix übers Kochen, aber das weiß ich.“

Tomatenstrunk

Nun, mit ihrem festen Glauben an die unabwendbare Letalität des Tomatenstrunks steht sie ja bei weitem nicht alleine da – aber hat sich schon mal jemand die Frage gestellt, warum ein Gemüse mit einem so hochgradig gesundheitsschädlichen und sogar lebensgefährlichen Bestandteil einfach so, ganz legal im Laden verkauft werden darf? Wären hier nicht eigentlich strengste Sicherheitsvorkehrungen gemäß Betäubungsmittel‑ und Chemikaliengesetz angebracht? Wieso unternimmt die Regierung nichts, um uns vor der rot-grünen Bedrohung zu schützen?

Die Antwort ist klar: Es handelt sich hier um eine großangelegte Verschwörung. Das geht rauf bis ganz oben. Weltweit werden pro Jahr 120 Millionen Tonnen Tomaten angebaut, Tendenz steigend. Vorreiter mit 31 Millionen Tonnen – also sage und schreibe 25,8 % der Welttomatenproduktion – ist die Volksrepublik China, gefolgt von der EU (17 Mio. Tonnen) und den USA (11 Mio. Tonnen). Von wieviel Geld hier letztendlich die Rede ist, kann niemand genau sagen, aber angesichts solcher Zahlen dürfte wohl klar sein, daß zumindest diese drei Hauptproduzenten von Tomaten alles daran setzen werden, den Ruf der Tomate um jeden Preis zu wahren – auch wenn dabei Menschenleben auf dem Spiel stehen.

Gefährliches Früchtchen

Denn das Grüne in der Tomate enthält Solanin, ein vor allem in Nachtschattengewächsen (Solanaceae) vorkommendes Alkaloid, das Vergiftungserscheinungen wie Brennen und Kratzen im Hals, Durchfall und Übelkeit hervorrufen kann. In höherer Dosis kann es aber auch zu Benommenheit, Angstzuständen, Schweißausbrüchen, Atemnot, Bewußtlosigkeit, Krämpfen und sogar zum Tod führen. Das mag wohl auch der Grund dafür gewesen sein, daß die Tomate im Mittelalter unter anderem als „Teufelsfrucht“ oder „Teufelsapfel“ bezeichnet wurde. Außerdem konnte es ja bei einer so verführerisch roten Frucht nicht mit rechten Dingen zugehen – die mußte von Satan persönlich geschaffen worden sein.
Doch zurück zur Wissenschaft: Wie gefährlich ist der Tomatenstrunk tatsächlich? Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist der Verzehr von Solanin ab einer Menge von etwa 25 Milligramm toxisch, ab 400 Milligramm tödlich. Bei unreifen grünen Tomaten wurde ein Solaningehalt von 9 bis 32 Milligramm auf 100 Gramm gemessen. Nehmen wir also an, der grüne Strunk mache etwa 10 % einer jeden Tomate aus, so ergibt sich eine tödliche Dosis von 12,5 bis 44,44 Kilogramm Tomaten – eine Menge, die natürlich schnell mal versehentlich überschritten ist.

Erst kürzlich mußte ich der Bestattung eines guten Freundes beiwohnen, der nach dem Genuß eines Fünfgängemenüs bestehend aus Bloody Mary, Pomodori secchi, Gazpacho, Spaghetti alla napoletana und kandierten Tomaten das Zeitliche gesegnet hatte. Und das ist nur eines von vielen Schicksalen. Mal davon abgesehen, daß der Saft unreifer Tomaten den Indios Südamerikas bereits seit Jahrhunderten als tödliches Pfeilgift dient, essen sich Menschen mithilfe von Tomaten auch immer wieder ins eigene Grab. Prominentes Beispiel Mozart: Er selbst war bereits Wochen vor seinem Tod der festen Überzeugung, vergiftet worden zu sein. Und irgendwie hatte er ja auch recht damit – doch wie hätte er ahnen sollen, daß es seine Vorliebe für die saftigen Paradeiser war, die ihm zum Verhängnis wurde? Auch bei Elvis Presley kann man angesichts der offiziellen Todesursache, „Herzstillstand durch zentrales Versagen der Atemorgane“, ins Grübeln geraten, und Kurt Cobains angebliche Heroinsucht war in Wirklichkeit nichts anderes als eine schwere Tomatenabhängigkeit.

So sollten Tomaten verkauft werden!

Der ein oder andere fragt sich jetzt womöglich: „Wenn das wirklich alles so stimmt, wieso habe ich dann bisher nie etwas davon gehört?“ Die Antwort ist einfach: Die Tomatenlobby ist groß und außerordentlich mächtig. Sie verfügt über genug Geld, um Dinge zu vertuschen, und die leise Stimme der wenigen Widerstandskämpfer geht unter in dem von der Multibillion-Dollar-Tomatenindustrie geschürten Marktgeschrei. Auch das von mir persönlich ins Leben gerufene „Ad-Hoc-Komitee für die objektive Neubewertung von Solanum lycopersicum“ wurde unterwandert und durch geschickte rechtliche Schachzüge sabotiert. Die alljährliche große Tomatenzerstörung bei der „Tomatina“ in Buñol ist zwar ein weiterer lobenswerter Ansatz, der es inzwischen zu weltweiter Bekanntheit gebracht hat, doch ist ihr Charakter eher symbolischer Art.

So ist es richtig!

So bleibt uns letztendlich nur noch der Widerstand im kleinen Kreis. Schützen Sie Ihre Familie, Ihre Freunde und Bekannten! Klären Sie sie über die Gefahren auf, die von Tomaten ausgehen! Mit jedem rausgeschnittenen Tomatenstrunk retten Sie vielleicht ein Menschenleben. Gerade Kindern sollte man schon möglichst früh klarmachen, daß man das Grüne in der Tomate nicht etwa deshalb entfernt, weil es holzig ist und doof schmeckt – nein, sondern weil es giftig ist. Tödlich.
Helfen Sie mit, die Menschheit wachzurütteln und vor der Tomatenverschwörung zu warnen! Hochkarätige Fernsehsendungen wie „Gräfin gesucht“ sind nur ein Silberstreif am Horizont – was wir brauchen, sind weitere Autoritäten wie Mirja, die mit ihrem tomatenspezifischen Fachwissen weltweit für Aufklärung sorgen.

Links:
  1. „Gräfin gesucht”  – offizielle Homepage

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  1. 27. Oktober 2008

    Sonja GERMANY

    Ganz deiner Meinung!

  2. 28. Oktober 2008

    Harry GERMANY

    Wir sollten in den Untergrund gehen und eine Revolution starten.
    Wo wir dann schon dabei wären: Können wir dem Rosenkohl nicht auch was anhängen?

  3. 23. Januar 2010

    Sigrid Rau GERMANY

    Hallo – per Zufall bin ich auf diesen Artikel gestoßen – für mich völlig unverständlich. Ich habe noch nie einen Kunden oder Familienmitglied vergiftet, koche aber bereits seit 30 Jahren Marmelade aus unreifen, grünen Tomaten – seit 3 Jahren sogar gewerblich. Sie ist super-lecker und einer meiner Renner! Es gibt auch eine andere Meinung über diese Frucht – wie bei vielen Sachen.
    Mit freundlichen süßen Grüßen Sigrid Rau
    http://www.schlemmern-sa.de

  4. 23. Januar 2010

    Ginchen GERMANY

    Und ich dachte, es sei nicht nötig… :roll: Naja, gut, bitte:

    Achtung! Ironie!

    Vielleicht sollte ich all meine nicht so ganz ernstgemeinten Posts mit einem dicken Ironie-Warnschild neben der Überschrift versehen… ;)

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